Das Freiwillige Soziale Jahr in einem Krankenhaus – #MeinFSJ

Das freiwillige soziale Jahr in einem Krankenhaus - Einer Person wird Blut abgenommen

Dieser Artikel ist der erste einer neuen Serie #MeinFSJ, in der wir euch verschiedene Einsätze des FSJ vorstellen. Dadurch seid ihr hoffentlich inspiriert und findet eine weitere Möglichkeit, ein Jahr zu überbrücken und nebenbei etwas Taschengeld zu verdienen.

Ich (Stefan, 18) führte mein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Krankenhaus durch und habe während des halben Jahres auf drei verschiedenen Stationen ausgeholfen. Dadurch habe ich einen sehr guten Einblick in den Ablauf des Kliniklebens bekommen und viele praktische Erfahrungen gesammelt. Ein FSJ bietet zudem viele weitere Vorteile, abgesehen von Arbeitserfahrung. Auf Station zum Beispiel zählt es auch als ein Pflegepraktikum, womit man als Medizinstudent direkt eine Qualifikation zum Physikum hat. Dadurch muss man das Praktikum auch nicht mehr in den Semesterferien absolvieren. Zudem bekommt man ein kleines Taschengeld von ca 435€, diverse Ermäßigungen, 26 Urlaubstage und Seminare, auf denen man die anderen FSJler kennenlernt.

Was sind meine Aufgaben auf einer internistischen Station?

Auf der internistischen und orthopädischen Station helfe ich den Schwestern aus. Das bedeutet, dass ich bei der Schwesternvisite mitlaufe und die Patienten grundversorge sowie Vitalzeichen messe. Grundversorgen bedeutet, dass man ihnen (soweit sie Hilfe benötigen) hilft, sich frisch zu machen. Zum Messen der Vitalzeichen gehört die Körpertemperatur, Blutdruck und Puls. Besonders wichtig ist es, beim Puls nicht nur dessen Schnelligkeit, sondern auch den Rhythmus zu erfassen. Dies trage ich dann in die Pflegedokumentation ein und melde gegebenenfalls Ungewöhnlichkeiten wie z.B. ein zu hoher Blutdruck. Im Verlauf der Schicht kann es immer sein, dass ein Patient Hilfe braucht und klingelt. Soweit ich nicht schon anderweitig beschäftigt bin, kümmere ich mich dann darum. Auch Infusionen abstöpseln und die Patienten mit gewissen Lösungen (wie z.B. NaCl) inhalieren zu lassen gehört dazu. Sollte ein Patient entlassen werden, helfe ich ihnen dabei Sachen zu packen und entferne, sofern vorhanden, die Braunüle. Im Anschluss räume ich das Zimmer noch etwas auf und beziehe das Bett ab. Im anderen Fall, wenn also ein Patient aufgenommen wird, messe ich die Vitalzeichen, führe ihn zum Zimmer und erkläre die Geräte. Zwischendurch wird bei Patienten Blut oder anderweitige Proben abgenommen, welche zum Labor gebracht werden müssen. Und wenn ich etwas Zeit übrig habe, lasse ich mir auch mit einem Patienten etwas mehr Zeit und unterhalte mich mit ihm. Insgesamt ist der Tag sehr variabel und hängt viel von den Patienten und ihren Beschwerden ab. Alles außer die Grundpflege und das Säubern der Zimmer sowie Laborläufe gehen über die eigentlichen Aufgaben eines FSJlers hinaus. Es ist also durchaus auch erlaubt, eine Aufgabe abzulehnen, wenn man sich dabei nicht wohl fühlt. So habe ich es einerseits abgelehnt, ISO-Zimmer mit hochansteckenden Krankheiten zu betreten, lernte aber das Messen der Vitalzeichen.

Wie sieht der Alltag in der Psychiatrie aus?

In der Psychiatrie (ich war auf der Station für Schizophrenie und Psychosen) läuft der Alltag ganz anders ab. In den anderthalb Monaten, die ich dort war, war Grundpflege kein Thema mehr. Stattdessen steht es im Vordergrund, sich mit den Patienten verbal zu beschäftigen. Morgens und abends machen sie nämlich ihr Essen selbst und allgemein sind sie mobiler als die Patienten der Inneren Medizin. Das heißt, ich kann auch mal mit den Patienten spazieren gehen oder mich mit ihnen sportlich mit Tischtennis betätigen. So kommen sie auch zu uns zum Dienstzimmer, wenn sie Hilfe benötigen oder ihre Medikamente abholen wollen. Unter der Woche gibt es jeden Tag verschiedene Therapien, an denen ich teilnehmen kann. Derartige Therapien wären z.B. Musik- und Ergotherapie oder auch eine Offene Gruppe, in der über Probleme diskutiert wird. In der Psychiatrie wird auch mehr Wert darauf gelegt, in der Übergabe, in der die wichtigsten Informationen an die nächste Schicht gegeben werden, über die Patienten zu diskutieren. Deswegen sind dort nicht nur Pfleger, sondern auch Therapeuten und zuständige Ärzte dabei. Wie auch auf der internistischen Station gibt es hier ISO-Zimmer, darin befinden sich allerdings keine Patienten mit ansteckenden Krankheiten. Sie sind dort lediglich zur Beobachtung aufgrund diverser Gründe, wie zum Beispiel Gewaltbereitschaft oder Suizidalität. Zwischenzeitlich müssen ihre Tätigkeiten protokolliert werden, um zu begründen, warum man die freiheitsentziehende Maßnahme einsetzt und sie isoliert. Sie dürfen nämlich nicht aus dem Zimmer raus. Im Gegensatz zur internistischen Station ist man also etwas freier in der Auswahl seiner Aufgabe.

Was ist positiv?

Auf der internistischen Station hat man immer Action. Es gibt immer etwas zu tun und die Möglichkeit, dass ein Notfall entsteht. Zudem kann man vieles lernen, wie zum Beispiel das Abnehmen von Blut unter ärztlicher Aufsicht. Auch wenn man nur an der ärztlichen Visite teilnimmt, kann man schon viel Fachwissen ergattern und einen tieferen Einblick in die Medizin bekommen. Zudem gibt es viele verschiedene Untersuchungen bei denen man zusehen kann, wie z.B. EKG, MRT. Wenn man Glück hat, bekommt man sogar die Einsicht in das Katheterlabor und kann bei einer Koronarangiographie zuschauen. Das ist eine spezielle Form des Röntgens, wobei die Herzkranzgefäße abgebildet werden.

In der Psychiatrie kann man manche Therapiestunden selbst veranstalten. Für meinen Teil biete ich eine Wahrnehmungs- und Konzentrationstherapie an. Dabei versucht man, das Lern- und Konzentrationsverhalten der Patienten zu verbessern. Das kann durch Arbeitszettel oder auch durch Spiele wie Memory erreicht werden. Auch hier ist es durchaus sinnvoll an den Arztvisiten teilzunehmen, denn dort werden viele Verhaltensmuster und die dazugehörigen Erkrankungen erklärt. Außerdem kann man bei der Elektroenzephalographie zusehen. Dabei werden Elektroden am Gehirn befestigt und dessen Ströme dann gemessen. Das Interessanteste ist allerdings, sich mit den Patienten zu unterhalten. Sie erzählen meist relativ offen, was ihnen wiederfahren ist und man erfährt nebenbei, was sie anders wahrnehmen.

Was ist negativ?

Das FSJ im Krankenhaus hat natürlich nicht nur positive Seiten. Es gibt einige Knackpunkte, denen man sich bewusst sein sollte. Dabei unterscheidet sich die Somatik von der Psychiatrie. Ersteres bietet sehr viel körperliche Anstrengung und wer (wie ich) ein nicht so starkes Immunsystem hat, wird auch eventuell ein paar Male krank werden. In der Psychiatrie dagegen hat man viel mentale Anstrengung. Es gibt manchmal viele Patienten, welche einem über ihre Probleme erzählen wollen, auch wenn man gerade keine Zeit hat. Man muss auch viel Verständnis zeigen, denn selbst wenn man ihnen eine Lösung vorschlägt, so ist selten Akzeptanz die Folge. Auch das Aufnehmen von Kontakt ist nicht immer einfach, denn manchmal sind sie von Grund aus verschlossen. Ein anderes Thema wäre der Frühdienst, welcher um 6 Uhr morgens beginnt. Das ist natürlich für Langschläfer nicht von Vorteil, aber für die sind dann Spätdienste die Alternative. Fortführend gibt es auch eine Hemmschwelle, die erst überschritten werden muss. Man muss sich darauf einstellen, dass man auch mal zu Patienten Kontakt haben muss, welcher zunächst unangenehm erscheint.

Fazit

Insgesamt hat mir das FSJ im Krankenhaus sehr viel Spaß gemacht! Es hat mich sehr mit Freude erfüllt, Menschen helfen zu können, egal in welcher Ausführung. Es ist eine sehr dankbare Form des FSJ, denn man spürt direkt im Verhalten, wie sich die Menschen in der Not darüber freuen, wenn man ihnen hilft. Ich habe zudem extrem viel gelernt. Sowohl was es bedeutet zu arbeiten, als auch medizinisches und pflegerisches Wissen habe ich mir aneignen können. Aber das FSJ gibt es nicht nur im Krankenhaus. Es gibt ja noch Seminare, auf denen man viele neue, wirklich nette Leute kennenlernt. Mit vielen von ihnen habe ich mich angefreundet und auch außerhalb des Seminars getroffen. Zudem gibt es großartige Workshops auf den Seminaren, welche vom Deutschen Roten Kreuz angeboten werden. Und auch als Seminarsprecher habe ich meine Erfahrungen gemacht, wie es ist, für eine Gruppe von Menschen zu sprechen und dementsprechend zu handeln. Zusammenfassend kann man sagen, war das Freiwillige Soziale Jahr das Beste, was ich hätte tun können, um ein Jahr zu überbrücken.

Stefan Gunawan

Stefan ist 18 Jahre alt und ein Redakteur bei E4SY: Er hat kürzlich ein FSJ abgeschlossen und ist auf dem Weg zum Medizinstudium. Seine Freizeit verbringt gerne mit Gesellschaftstanz, Klavier spielen, Musik hören und Gaming.

Das könnte auch interessant sein...

2 Antworten

  1. Jonah Grütters sagt:

    Richtig guter Artikel! Toller Erfahrungsbericht!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.