Bundeswehr aktuell: Ausweitung der Auslandseinsätze

Die Bundeswehr verlängert den Afghanistan-Einsatz, stockt das Kontingent in Mali auf und modernisiert ihren Fuhrpark. Dies und vieles mehr zur Bundeswehr lest ihr in unserer neuesten Ausgabe von „Bundeswehr aktuell“.

Was gibt es Neues bei der Bundeswehr? Wir liefern euch eine Zusammenfassung aller wissenswerten Geschehnisse der letzten Woche, die unsere Streitkräfte betreffen.

Bundestag verlängert Einsätze in Afghanistan und Sudan

Am Donnerstag hat der Bundestag den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan bis zum 31. Dezember 2017 verlängert. Im Rahmen der NATO-Mission Resolute Support unterstützt die Bundeswehr in Folge des ISAF-Einsatzes, gemeinsam mit 36 weiteren Staaten und einer Gesamtstärke von über 12.000 Mann die afghanischen Sicherheitskräfte durch Ausbildung und Beratung. Das Ziel der Mission besteht in der Selbstständigkeit der afganischen Polizei und der Streitkräfte bei der Bewältigung der Sicherheitsgewährleistung. Der Großteil der bis zu 950 deutschen Soldaten ist bei Masar-i-Scharif im Einsatz, der Rest in Kabul stationiert. Auch wenn es sich um keinen aktiven Kampfeinsatz handelt, bleibt Afghanistan durch die fortwährende Aktivität von Al-Kaida und Taliban in Form von Selbstmordattentaten, wie zuletzt auf das deutsche Konsulat, kein ungefährliches Pflaster für die deutschen Soldaten.

Des Weiteren hat der Bundestag die Mandate für die zwei UN-Friedensmissionen  UNAMID und UNMISS im kriegsgeschüttelten Sudan verlängert. Hierbei sollen deutsche Soldaten und Polizisten Frieden und Stabilität gewährleisten, insbesondere im südlichen Teil des Landes, der sich 2011 mit einem Referendum vom Norden abgespalten hat. Angesichts des fortwährenden Bürgerkriegs ist man jedoch aktuell noch meilenweit von einer Umsetzung dieses Ziels entfernt. Die beiden Mandate sind jeweils auf eine Obergrenze von 50 Soldaten beschränkt und gelten ein Jahr lang.

Brisante Lücke im Mali-Einsatz

Die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen kündigte in einem Interview Pläne zur Aufstockung des Kontingents bei der UN-Mission MINUSMA an. Demnach soll die Anzahl der in Gao stationierten Soldaten von 650 auf 1000 erhöht werden. Trotz der Ausweitung des Einsatzes könnte bis März eine Lücke bei der Verwundetenversorgung entstehen, ein Problem das angesichts der Gefährlichkeit dieses Einsatz nicht zu unterschätzen ist. Die Lücke entsteht durch den Rückzug der Niederländer aus der Rettungskette, die ein Ausfliegen verwundeter Sodlaten gewährleisten soll. Ab März soll diese Aufgabe durch vier NH90-Hubschrauber der Bundeswehr übernommen werden. Der Einsatz dieser Maschinen in Krisengebieten ist jedoch nur bei ausreichendem Schutz gestattet, für den vier Kampfhubschrauber vom Typ Tiger sorgen sollen. Durch logistische Probleme und einem Mangel an Platz zur Unterbringung der Hubschrauber auf dem Flugfeld in Gao müssen die Transporthubschrauber jedoch für einige Wochen ohne diesen Schutz auskommen. Dies schränkt die Reichweite der in Mali agierenden Bodenkräfte stark ein. Dafür erhöht sich die Reichweite der Truppe ab März durch den Einsatz der Heron-Aufklärungsdrohne dann umso mehr.

Der Einsatz der Bundeswehr im Mali ist zurzeit das wohl gefährlichste Mandat unserer Streitkräfte. Viele Politiker befürchten, das vom Bürgerkrieg und Terrorismus gebeutelte Mali könnte zu einem zweiten Afghanistan werden, wenn sich Deutschland noch weiter in diesen Konflikt mit hineinziehen lässt.

NH90 und Tiger der fränzösischen Streitkräfte (Quelle: Frederic Lert)

NH90 und Tiger der fränzösischen Streitkräfte (Quelle: Frederic Lert)

Mehr Sicherheitsüberprüfungen für Bundeswehr-Anwärter

Mit Blick auf die jüngsten Enttarnungen von Islamisten in den Reihen der Bundeswehr hat der Bundestag am Donnerstag einen Gesetzesenwurf verabschiedet, der zukünftig eine strengere Überprüfung des Hintergrundes von Bewerberen vorsieht. Eine flächendeckende Überprüfung von Soldaten durch den Militärischen Abschirmdienst soll verhindern, dass Extremisten aller Art, insbesondere aber Islamisten, die Ausbildung an der Waffe für die Durchführung terroristischer Taten ausnutzen.

G36-Nachfolger lässt auf sich warten

Das G36, die Ordonnazwaffe der Bundeswehr, sollte eigentlich bis 2019 durch einen Nachfolger ersetzt werden. Das Sturmgewehr war wegen angeblicher Trefferprobleme in die Kritik geraten, obwohl es sich unter den Soldaten großer Beliebtheit erfreut. Das Prestigeprojekt der Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen sollte eigentlich als Paradebeispiel für die von ihr versprochene Beschleunigung und Optimierung von Rüstungsaufträgen dienen. Laut Berichten der Stuttgarter Nachrichten soll sich die Beschaffung der bis zu 177.000 Gewehre jedoch bis 2020 oder 2021 verzögern, da bisher noch kein konkreter Nachfolger gefunden werden konnte. Fest steht lediglich, dass ein bereits markverfügbares Modell und keine Neuenwticklung besorgt werden soll, wie wir berichteten.

Sturmgewehr G36 (Quelle: Wikimedia)

Picture by DomoK, GNU FDL, Domok g36, CC BY-SA 3.0

Bundeswehr beschafft neue und modernisiert alte Fahrzeuge

Wie das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr am Montag mitteilte, will die Bundeswehr 12 ihrer gepanzerten Mehzweckfahrzeuge Yak durch die Firma Plath zu Systemen der Mobilen Geschützten Fernmeldeaufklärung (MoGeFA) umrüsten. Die Fahrzeuge sollen durch das Abfangen und Auswerten von Funksignalen einer verbesserten Lagedarstellung im Einsatz dienen. So sollen verbündete Kräfte besser geschützt sein.

Quelle: Bundeswehr/BAAINBw

Mobiles Geschütztes Fernmeldeaufklärungssystem (Quelle: Bundeswehr/BAAINBw)

Jenes Amt der Bundeswehr hat des Weiteren die Modernisierung des Transportpanzers Fuchs bei Rheinmetall Defence in Düsseldorf in Auftrag gegeben. Der Fuchs wurde in 1200-facher Anzahl gefertigt und hat sich vor allem durch seine vielseitigen Spezialisierungen seit vielen Jahren in der Bundeswehr bewährt. Eben jene Spezialausführungen, wie zum Beispiel als ABC-Spürpanzer oder Sanitäts- und Kampfmittelabwehrfahrzeug, machen einen Großteil der 90 nun zu modernisierenden Fahrzeuge aus. 177 der Transportpanzer wurden bereits auf die aktuelle, achte Ausführung umgerüstet. Wesentliche Merkmale der modernisierten Ausführung bestehen in der Verbesserung des Schutzes vor Explosionen und ballistischen Waffen. Zurzeit ist der Fuchs bei MINUSMA in Mali, bei Resolute Support in Afghanistan und bei KFOR im Kosovo im Einsatz. Der Auslieferungszeitraum bewegt sich zwischen 2017 und 2020.

Quelle: Wikimedia

Transportpanzer Fuchs [hier: Spürpanzer des ABC-Abwehrbataillons 750] (Quelle: Wikimedia)

ABC-Abwehrregiment 750 at German Wikipedia, Spürpanzer Fuchs, CC BY-SA 3.0 DE

Andreas Dost

Andreas ist Redakteur und Korrektor bei E4SY. Er ist derzeit 17 Jahre alt und Schüler. Seine Hobbys sind Mountainbiking, Bergsport, Gaming und Fremdsprachen.

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