Civilization 6 Review – Besser als der Vorgänger?

Das neue Flaggschiff von Firaxis: Civilization VI!
Das neue Flaggschiff von Firaxis: Civilization VI!

Mit Civilization 6 brachte Firaxis ihr neues Flaggschiff auf den Markt. Somit geht eine der ältesten noch laufenden Spieleserien in die nächste Runde!

Civilization 6 knüpft genau dort an, wo Civilization 5 mit seinen Erweiterungen aufgehört hat. Die Features, die im fünften Teil erst per DLC hinzu kamen, sind im neuesten Teil der Reihe direkt mit implementiert. Neue Features wie Handelsrouten, Religionen und Sozialpolitiken wurden eingeführt und direkt mit übernommen.

Große Vielfalt

Wie immer bringt Civilization eine große Vielfalt mit sich. Sei es die verschiedenen Möglichkeiten das Spiel zu gewinnen oder die vielen spielbaren Völker. Es gibt viele verschiedene Varianten, das Spiel zu spielen. Spielbar sind 18 bzw. 19 Völker (Vorbesteller Bonus), die alle verschiedene Vorsätze, Eigenschaften und Einheiten besitzen. Manche Anführer wollen besonders schnell ihre Grenzen erweitern, andere wollen unbedingt den Frieden wahren. Zwar mögen Veteranen die eine oder andere Lieblingsnation vermissen (Inka, Polen …), aber es folgen ja noch vier DLCs. Die Unterschiede sind erfreulich groß, die möglichen Spielweisen spannend; eine derartige Vielfalt bot Civilization 5 erst nach zwei Addons.

Doch es macht nicht nur Unterschiede, welche Nation man selbst spielt, es fühlt sich nämlich auch anders an gegen welche man antritt. Denn jeder Herrscher besitzt zwei Agenden. Die erste ist immer gleich: Die Britin Victoria etwa mag alle Völker auf ihrem Heimatkontinent und verachtet alle anderen und der Spanier Philipp die Gefolgsleute der eigenen Religion. Die zweite Agenda aber ist versteckt und immer zufällig.

Die Agenden verleihen somit den Anführern und ihren Nationen mehr Persönlichkeit. Jedoch läuft auch dort nicht alles einwandfrei.

Eine Information die Firaxis erst kurz vor dem Release ankündigte, wird hoffentlich für noch mehr individuelleren Spielspaß sorgen. Die Möglichkeit alternative Staatschefs auszuwählen! Bis jetzt gibt es davon nur eine, die Griechen können entweder vom diplomatischen Perikles oder der Spartanerkönigin Gorgo angeführt werden. Allerdings bringt der zweite Anführer kein komplett neues Spielerlebnis. Spezialeinheit, Volksfähigkeit und Sondergebäude bleiben gleich, nur die Anführerfähigkeit und die KI-Agenda ändert sich. Diese Ankündigung aber lässt vermuten, dass es ein Wiedersehen mit alten Ikonen aus früheren Teilen als alternative Staatsführer geben wird.

Neuer Look

Der Punkt, der einem als erstes ins Auge springt, ist der neue Grafikstil. Und der kann durchaus als gelungen bezeichnet werden. Das Spiel kommt mit einem Comicstil und wirkt insgesamt etwas verspielter als sein Vorgänger. Die Farbpalette erinnert eher an Civilization 4 als an den direkten Vorgänger und weckt für einige Spieler nostalgische Gefühle. Nicht nur die Einheiten sind liebevoll und mit vielen Details animiert, auch die Kampf- und Bau-Animationen sowie die neuen Anführer-Animationen. So macht es z.B. Spaß seine gebauten Weltwunder noch einmal im Zeitraffer zu betrachten oder sich die Karte mit den vielen schönen Effekten etwas genauer anzusehen. Die Animationen der Fraktions-Oberhäupter erinnern nun eher an Comicfiguren als an echte Menschen. Trotzdem sind Gestik und Mimik sehr gut getroffen und zaubern einem ein ums andere Mal ein Lächeln aufs Gesicht.

Neue Funktionen

Die beiden größten Neuerungen sind das “Religöse Kampfsystem” und die Spezialisierung der Stadt mit Hilfe von Distrikten.

Bei den Distrikten sprechen einige auch von einer Art “Geländepuzzel”. Die Distrikte sind so etwas wie externe Stadtviertel. Dabei beeinflussen sich diese Distrikte gegenseitig und auch sonst werden die verschiedenen Distrikte von verschiedenen Geländeboni beeinflusst. Ein gutes Vorausplanen hilft also und bei Online-Spielen oder stärkerer KI ist es sogar Pflicht, da es ansonsten sehr schwer werden kann. So sollte z.B. ein Hafen an möglichst vielen Fischvorkommen oder ein Handelsviertel neben Flüssen liegen. Hinzu kommen die Bauernhöfe, die sich gegenseitig stärken und immer noch von Handwerkern gebaut werden. Diese Bautrupps errichten jedoch ihr Projekt sofort und lösen sich nach einer bestimmten Anzahl von Einsätzen auf. Außerdem gibt es noch die Weltwunder, die mit einkalkuliert werden müssen. Denn auch die belegen jeweils ein eigenes Geländefeld, an das sie individuelle Standortanforderungen stellen.

Das “Religöse Kampfsystem” beinhaltet einen sehr großen wichtigen Faktor: Der Religionssieg! Sollte der Großteil der Weltbevölkerung meinem Glauben angehören, so gewinnt man das Spiel mit Hilfe der Religion. Auch ansonsten bietet das neue Religionssystem neue Features. Durch Heiligtümer angehäufte Glaubenspunkte sind somit eine noch nützlichere Ressource geworden, weil die Regierungsform Theokratie uns beispielsweise erlaubt, unsere Landeinheiten mit Glaubenspunkten zu kaufen. So kann man sich schnell eine schlagkräftige Armee zusammenstellen. Seine Religion verbreitet man über Apostel und Missionare, die auch über Glaubenspunkte gekauft werden. Religöse Einheiten können auch gegeneinander kämpfen, ohne direkt einen Krieg zu erklären.

Erweiterte Diplomatie-Optionen

Der neue Überblick im Diplomatie-System lässt mich nun genauer verstehen, warum ein KI-Anführer jetzt sauer auf mich ist. Jeder Regent besitzt nämlich nun zwei Agenden. Eine offene, die vom gewählten Anführer abhängig ist und eine zufällige, die erst im Laufe der Zeit herausgefunden werden muss.  So hasst etwa Montezuma grundsätzlich jeden Mitspieler, der über andere Luxus-Ressourcen verfügt als er selbst. Diese “Vorlieben” sind zwar nicht immer sinnvoll, aber nun muss man sich nicht mehr den Kopf zerbrechen, warum man jetzt schon wieder denunziert wurde. Leider machen diese Agenden nicht immer Sinn. So hasst Friedrich eigentlich Stadtstaaten, jedoch ist gerade er öfters großer Förderer der Stadtstaaten. Da fangen die Schwächen der KI gerade erst an…

Mängel bei der KI

Wer erst einmal etwas Erfahrung in Civilization gesammelt hat, dem werden die unteren Schwierigkeitsgrade schnell zu einfach. Doch auch auf den höheren Stufen agiert die KI oft planlos. Es fängt beim Handel an. Die “Mitspieler” bieten Deals an, bei denen sie viel zu viel an mich zahlen und weit über Wert der angebotenen Güter. Sie zahlen einfach Unsummen drauf. Und warum sollte der Spieler das ablehnen? Gleiches gilt, wenn das Angebot vom Spieler kommt. Gute Angebote können sehr einfach rausgehandelt werden. So befand ich mich z.B. mit Frankreich in einem noch sehr ausgeglichenem Krieg und als Friedensangebot konnte ich VIER Städte Frankreichs ergattern.

Doch nicht nur beim Handeln gibt es einige Schwächen. Insgesamt ist das Schlimmste der Krieg. Nicht nur dass die KI grundlos Kriege erklärt, nachdem man sich vor einer Runde kennengelernt hatte, sie agieren auch meist planlos bei der Kriegsführung. Sie verschenken den perfekten Augenblick zur Stadteroberung, bleiben teilweise komplett passiv oder rennen einfach ohne Plan durch die Welt ohne das Land wirklich anzugreifen. Gleichzeitig erweist sich die KI oft weitgehend außerstande, ihre eigenen Städte zu verteidigen. Kriege zwischen zwei KI-Spielern ziehen sich so teilweise ewig in die Länge.

Man merkt das die KI auf den höheren Schwierigkeitsgraden nicht wirklich schlauer ist, sondern einfach immer mehr Produktionsboni besitzt. Die Schwierigkeit liegt hierbei somit nicht beim Krieg führen, sondern bei den anderen Siegesmöglichkeiten. Doch auch hier gibt es Probleme. So gibt es Völker, die zwar schon im Informationszeitalter sind, aber trotzdem noch mit Speerträgern über die Karte laufen.  Dazu zählen auch Stadtstaaten die Probleme haben ihre Truppen aufzurüsten und somit in der Moderne entsprechend leichte Ziele sind.

Benutzerinterface komplizierter

Das Benutzerinterface wurde im Vergleich zu den Vorgängern etwas verkompliziert und unzugänglicher gemacht. Viele wichtigere Dinge “verstecken” sich jetzt in Untermenüs, die nicht mehr so zugänglich sind wie vorher. Wer beim Bauen auch noch wissen will, welche Felder unsere Bürger gerade bearbeiten, der muss auf eine weitere Schaltfläche klicken. Ebenfalls versteckt und mit zwei weiteren Untermenüs versehen ist die Status-Zusammenfassung der Stadt, in der wir checken, welche Gebäude bereits vorhanden sind oder wie es um die Zufriedenheit der Bewohner steht. Des Weiteren kann das Spiel sehr unübersichtlich werden. Wer einen Zwei-Fronten-Krieg führt und sich währenddessen um seine Bevölkerung kümmern muss, dem kann all das schon ein bisschen zu viel werden.

Doch dadrin besteht auch der Charm eines Strategiespiels. Die Aufgabe, alles zu koordinieren, zählt nämlich auch dazu. Nur kommen manchmal unnötige Umstände hinzu. So hat die oft planlos agierende KI mal wieder viel zu viele Einheiten produziert, die jetzt überall in der Welt rumstehen und die Übersicht nicht erleichtern. Auch werden ab und zu Symbole von Einheiten verdeckt und es tauchen in einem Augenblick zu viele Informationen auf einmal auf.

Insgesamt ist Civilization 6 ein sehr solides Spiel. Es ist noch nicht das von einigen in den Himmel gelobten Spiel, aber es hat das richtige Potenzial dazu. Es steht schon fest, dass es vier Addons geben wird. Wer sich an Teil 5 erinnert, der weiß, dass das Civilization 5, das wir heute so schätzen, auch erst nach zwei Addons so geworden ist.

Adrian Gädigk

Adrian ist 18 Jahre alt und ein Redakteur bei E4SY. Er studiert derzeit im ersten Semester Öffentliches Management. Seine Freizeit verbringt mit Fußball und anderen Sportarten. Des Weiteren ist er sehr am Gaming Markt interessiert. Hinzu beschäftigt er sich privat im Bereich Bild- und Videobearbeitung.

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