55 Jahre Contergan-Skandal: Missbildungen und Fehlgeburten

Quelle: Wikimedia

In den 1950er und 60er-Jahren wurde Contergan schwangeren Frauen als Schlaf- und Beruhigungsmittel empfohlen, unwissend dessen verheerender Nebenwirkungen.

Vor fast genau 55  Jahren wurde der Arzneistoff Thalidomid, der durch die Grünenthal GmbH in Deutschland unter dem Namen Contergan vertrieben wurde, in Folge eines der verheerndsten Artzneimittelskandale in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, vom Markt genommen. Er wurde bei zahlreichen schwangeren Frauen als Sedativum, Schlafmittel und zur Behandlung der typischen Schwangerschaftsübelkeit, eingesetzt. Bei einer Einnahme während der sensiblen Phase der Organentwicklung, kann dies verheerende Folgen für die Entwicklung des heranwachsenden Fötus haben. Beliebt war Contergan vor allem aufgrund seiner Befreiung von der Rezeptflicht, welche erst nach dem Bekanntwerden der Nebenwirkungen eingeführt wurde.

Fehlbildungen durch Kernwaffentests?

Seit 1960 wurde durch verschiedene Ärzte eine erhöhte Anzahl von fehlenden oder missgebildeten Gliedmaßen bei Neugeborenen festgestellt. Dies konnte jedoch zunächst nicht belegt werden, da man sich in der Bundesrepublik nach dem “Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” im Dritten Reich und der damit einhergehenden Aktion T4, also der Ermordung von tausenden geistig und körperlich Behinderten, vor der Einführung einer zentralen Meldepflicht von Fehlbildungen scheute. Bevor man jedoch auch nur im Entferntesten Contergan für dieses Phänomen verantwortlich machte, stand die Spekulation um Kernwaffentests in der Atmospähre als mögliche Ursache für die steigende Rate an Mißbildungen bei der öffentlichen Debatte und sogar bei der Diskussion im Bundestag im Fokus.

Aufdeckung der Nebenwirkungen

Erst nachdem verschiedene Ärzte in Fachpublikationen die Einnahme von Contergan mit Fehlbildungen bei Säuglingen und einer hohen Dunkelziffer von Totgeburten in Verbindung brachten, konnte der tatsächliche Grund für dieses Phänomen ausfindig gemacht werden. Nach einem Artikel der Welt am Sonntag wurde Contergan durch den herstellenden Pharmakonzern vom deutschen Markt genommen. In den USA hingegen wurde die Zulassung des Mittels durch den Einsatz der Pharmakologin Frances Oldham Kelsey verhindert, wofür diese später durch US-Präsident John F. Kennedy geehrt wurde. In Spanien jedoch wurde Thalidomid unter dem Namen Softeon weiter verkauft, was zur Folge hatte, dass sogar ein 2003 geborenes Kind noch mit den Folgen des Medikamnts zu kämpfen hat.

Entschädigung der Geschädigten

In einem Prozess gegen Verantwortliche der Grünenthal GmbH verpflichtete sich der Pharmakonzern zur Zahlung eines Entschädigungsbetrages von 100 Millionen Deutschen Mark an eine Stiftung für Contergangeschädigte. Unterstützt durch Zahlungen des Bundes , kommen die Stiftungsmittel den Menschen, die teilweise bis heute mit den körperlichen Folgen ihrer Missbildungen zu kämpfen haben, sowie deren Familien hauptsächlich in Form von Renten zugute. Der Conterganskandal wirkt bis heute nach und sollte der Pharmaindustrie und den Gesundheitsbehörden als Mahnmal für die Wichtigkeit von hinreichenden Medikamententests dienen.

Andreas Dost

Andreas ist Redakteur und Korrektor bei E4SY. Er ist derzeit 17 Jahre alt und Schüler. Seine Hobbys sind Mountainbiking, Bergsport, Gaming und Fremdsprachen.

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