Ein MINT-Studium ist keine Jobgarantie!

Der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit ist ein Studium, heißt es immer. Wer dann noch ein Fach aus dem naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich wählt (MINT-Studium), ist auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Wirklich? Wir haben uns die Jobchancen einmal näher angeschaut.

Du möchtest einen sicheren Job haben? Dann studiere einfach ein MINT-Fach hieß es immer. Also ein Fach aus den Bereichen Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik. Studenten dieser Fächer sollen sich dann ihre Stelle mehr oder weniger aussuchen können. Doch das stimmt nicht mehr so ganz, wie nun das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ermittelt hat.

Die Zahlen steigen

Die Zahl der arbeitslosen Absolventen mit einem Abschluss in einem technischen oder naturwissenschaftlichen Fach hat demnach in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Die absoluten Zahlen der arbeitslosen Absolventen von MINT-Fächern sind zwar noch immer nicht wirklich hoch im Vergleich zu anderen Absolventen. Aber der prozentuale Anstieg zeigt, dass die Beschäftigungsprobleme in diesen Akademikerberufen deutlich zunehmen und die Wahl eines MINT-Faches in näherer Zukunft nicht mehr ein Jobgarant sein könnte, wie noch vor einigen Jahren.

Bei arbeitslosen IT-Experten ist die Arbeitslosenquote in den letzten drei Jahren um ein Drittel auf 8500 gestiegen. Ähnlich verhielt es sich bei den Ingenieuren. Hier gab es im Oktober 2015 etwa 18.000 Arbeitslose. Am stärksten stieg jedoch die Arbeitslosigkeit unter Ärzten und Physikern. Mit 1400 arbeitslosen Ärzten und 700 arbeitslosen Physikern ist die Zahl der Akademiker ohne Job in diesen beiden Berufsgruppen um jeweils die Hälfte gestiegen. Eine erhebliche Zunahme der Unterbeschäftigung gab es auch mit ca. 24% bei den Chemikern.

Vielleicht liegt es daran, dass auch die Zahl der Studierenden in den MINT-Fächern überdurchschnittlich stark gestiegen sind. Dies bestätigt auch der Autor der Studie, Karl Brenke. Trotz guter Konjunktur sei der Arbeitsmarkt nicht in der Lage gewesen, die vielen Absolventen unterzubringen. Insgesamt studieren fast doppelt so viele Abiturienten, wie noch vor 20 Jahren. Jedoch gab es, zum Beispiel in den Studiengängen der Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften keinen so überdurchschnittlichen Anstieg der Studierendenzahlen, wie in den MINT-Fächern.

Der neuer Schweinezyklus

Nach Brenke haben die Arbeitsmarktchancen die Berufswahl beeinflusst.
“Im Falle der industrienahen Ingenieure und anderer so genannter MINT-Berufe haben sich junge Leute offenbar von den Klagen der Unternehmen und ihrer Verbände über einen angeblichen Fachkräftemangel leiten lassen – und nun steigt hier die Arbeitslosigkeit. Es wurde mal wieder ein so genannter Schweinezyklus produziert.”

DIW-Arbeitsmarktexperte Brenke kritisierte generell den starken Trend zum Studium und empfahl auch auf die Möglichkeiten hinzuweisen, ein duales Studium oder eine Lehre anzugehen. Denn in den meisten Regionen Deutschlands klagen die Arbeitgeber nicht mehr über einen Mangel an MINT-Absolventen, sondern über einen Mangel an Auszubildenden.

Quelle: Frankfurter Allgemeine & Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung

Tim Senger

Tim ist Leiter und Chefredakteur von E4SY. 2013 ist er das erste Mal jour­na­lis­tisch für ein Spielemagazin aktiv geworden. Momentan absolviert er zudem ein duales Studium im Bereich Wirtschaft.

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