Hector Seminar

Hector Seminar: was ist das?

Es gibt Einrichtungen außerhalb von der Schule, welche Jugendliche fördern und sie dazu motivieren, ihre natürliche Wissbegierde nicht zu verlieren, was leider mit zunehmendem Alter häufig in der Schule passiert. Das Hector Seminar ist eine solche Einrichtung und im folgenden sind ein paar persönliche Kommentare und Erfahrungen, welche ich von Hectorianern gesammelt habe.

Das Hector-Seminar ist ein MINT-Förderangebot (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) für besonders begabte Schüler:innen ab Klassenstufe 6. Es wird in Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim und Pforzheim angeboten. Die Teilnehmer bleiben über ihre gesamte Schulzeit in einer festen Gruppe, die sich mindestens einmal wöchentlich trifft.

Wie komme ich in das Hector Seminar?

Um in das Hector Seminar aufgenommen zu werden müssen Jugendliche in der sechsten Klasse einen Test absolvieren, welcher ihre kognitiven Fähigkeiten misst. Dazu muss der Schüler von einem der Lehrer für den Test vorgeschlagen werden. Auch ist es möglich in höheren Klassenstufen in das Hector Seminar aufgenommen zu werden, vorausgesetzt der jeweilige Kurs hat Kapazitäten. Dies tritt auf wenn Teilnehmer den Kurs verlassen. In der zweiten Variante des Einstiegs in das Hector Seminar muss man auch keinen Test schreiben, sondern man muss von einem Lehrer vorgeschlagen werden und ein Interview mit den Kursleitern führen, welche dann entscheiden ob man geeignet ist.

Zum Interview:

Was ist Hector eigentlich?

Niemand weiß was das so genau ist. Wenn ich das mit einem Wort definieren müsste wäre es „interessant“. Das Hector Seminar ist wie Unterricht nur besser: Wir treffen uns ein mal in der Woche mit einer kleinen Gruppe interessierter Schüler und zwei motivierter Lehrer und erweitern unseren Horizont. Wir lernen Sachen, welche wir so in der Schule nicht machen würden, weil sie entweder zu komplex sind um sie in der normalen Unterrichtszeit zu behandeln, oder weil es nicht genügend Mittel gibt und das Equipment fehlt. Dabei wird jedes Jahr ein neuer Kurs in den vier Standorten eingerichtet.

Was macht man im Hector Seminar?

Wir lernen etwas schwierigere Themen aus den Bereichen der Naturwissenschaften. Wir als Schüler können uns aussuchen, was wir behandeln und lernen und wie weit wir in die Materie einsteigen möchten, dass ist ein großer Vorteil, denn man macht, wofür man sich wirklich interessiert und nicht das was der Bildungsplan vorsieht.

Was gefällt euch am Hector Seminar?

  • Im Hector Seminar wird niemand ausgeschlossen, weil er Interesse zeigt. Aus der Schule kennt man das leider zu gut, dass man schnell als „Streber“ abgestempelt wird, sobald man sich meldet oder etwas mehr wissen will. Im Hector Seminar ist es nicht so, denn fast alle Anwesende sind interessiert und bringen ihre eigene Leidenschaft für bestimmten Themenbereichen mit.
  • Außerdem gibt es keine Noten, was den Druck verringert und das Lernen leichter und angenehmer macht. Wir lernen für uns und nicht für eine wichtige Arbeit, nach der wir wieder alles vergessen, weil es uns eh nicht interessiert.
  • Wir erweitern unseren Horizont in Wissenschaften allgemein, und uns wird beigebracht, dass es nichts gibt, was wir nicht mit etwas Aufwand und Motivation verstehen würden.
  • In kleinen Gruppen und mit zwei Lehrern ist es leichter, alle Schüler zu integrieren. Einzelnen Fragen und Anregungen kann wirklich nachgegangen werden, weil man Zeit hat und keinen Stoff durchbringen muss. Das führt zu interessanten Debatten und neuen Ideen.
  • Die Menschen sind sehr vielfältig und nett, man knüpft so viele neue Kontakte aus verschiedenen Bereichen und zwar nicht nur mit Gleichaltrigen, sondern auch mit Professoren, Forschern und Experten in ihrem Gebiet. Das hat uns schon einige Male Praktika ermöglicht, welche wir sonst nicht erlebt hätten.
  • Die Modulfeste am Ende jedes Jahres sind was ganz Besonderes! Einmal im Jahr treffen sich alle Hectorianer und halten Vorträger über die Projekte, welche sie ein halbes Jahr in Gruppen bearbeitet haben. Zum einen lernt man an diesem Tag sehr viel Verschiedenes kennen und zum anderen ist es einfach ein Riesen-Spaß, zusammen in den Pausen zu reden und debattieren, zu essen und zu lachen, nach einem halben Jahr voller Arbeit und Anstrengung.
  • Die Ausflüge mit der Gruppe sind unbeschreiblich! Z.B. die Wolfsnacht, bei der wir extrem viel über Tiere erfahren haben und zusammen neben dem Wolfsgehege übernachtet haben und uns dabei am Lagerfeuer gewärmt haben, oder die Sternnacht, bei der wir sooo vieles über Astrophysik gelernt haben und natürlich auch der Ausflug nach Adelsheim, wo sich alle gleichaltrigen Hectorianer getroffen und zum ersten mal kennengelernt haben.

Gibt es da auch negative Aspekte?

  • Natürlich, z.B. ist das Hector Seminar der Ort wo man realisiert, dass man nicht der Schlauste ist und es immer jemanden gibt, der mehr weiß als du. Aus der Schule kennt man des meistens, dass man der oder die Wissensbeheisterte aus der Klasse ist und man ist anfällig zu denken, dass man mehr weiß als andere, aber im Hector Seminar wird einem die Illusion schnell genommen und man trifft so viele Schüler, die schlauer sind als du selber.
  • Manchmal sind die Themen mir zu stark am Lehrplan der Schule orientiert, und wir lernen praktisch vor, was ich persönlich nicht so gut finde, denn an sich mache ich ja das gleiche in der Schule nur nicht so vertieft.
  • Nicht selten sind die Erwartungen an uns zu hoch, denn gerne benutzen Lehrer den Spruch „Ihr seid Hectorianer, ihr müsst das wissen/ du kannst das schaffen…“ Das ist teilweise reicht anstrengen, vor allem weil man ja teilweise Schulstoff neben dem Hector Seminar nachholen muss (Oft kommt es vor, dass die Hector Seminar Treffen mit der Schulunterrichtszeit kollidieren, weshalb man dann von den einen oder zwei Stunden in der Woche befreit wird. Diese muss man aber natürlich selbstständig nachholen). Aber andererseits kann man zum Ende eines Jeden Schuljahres aussteigen, wenn es einem zu viel wird.
  • Kritik oder nicht: das Hector Seminar wird von Jungs dominiert, aber das bekommt man nicht allzu stark zu spüren.

Fazit:

Das Hector Seminar ist eine Einrichtung, welche Wege öffnet und Jugendlichen hilft, ihr Wissen auszubauen und neue Kontakte zu knüpfen. Im Großen und Ganzen sind die Teilnehmer des Hector Seminars sehr zufrieden damit und schwärmen von den Möglichkeiten welche ihnen das Hector Seminar bietet. Drei Hectorianer waren einverstanden mir ein Interview zu geben und mit der Veröffentlichung ihrer Kommentare, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Unser Ziel war es Hector Seminar Interessierten ein wenig näher zu bringen was es darstellt und mit sich bringt, ich hoffe das ist uns zumindest teilweise gelungen.

Weitere Informationen rund um das Hector Seminar findet ihr unter: https://hector-seminar.de/startseite

Falls ihr Fragen oder Anregungen habt, könnt ihr diese gerne in den Kommentaren hinterlassen!

Über Kinga Sadovskaia

Kinga Sadovskaia 17 Jahre alt und seit 2020 e4sy Redakteurin. Momentan Schülerin und arbeitet an ihrem Abitur. Ihre Freizeit verbringt sie am Liebsten mit lesen, schreiben und musizieren.

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