Vergessene WM-Helden: Joe Gaetjens

Vergessene WM-Helden Joe Gaetjens

Mit Weltmeisterschaften verbindet man große Spieler wie Diego Maradona, Pele oder Franz Beckenbauer. Großartige Persönlichkeiten, die ihre Nationen zu großen Erfolgen führten und bis heute Legenden-Status genießen. Aber man muss nicht am einer WM den Pokal in die Luft heben. Um ehrlich zu sein, muss man es nicht mal über die Gruppenphase hinauskommen. Es reicht ein einziges Spiel, ein genialer Moment, um eine ganze Nation in Ekstase zu versetzen.

Wir haben für euch einen Fußballspieler aus der Versenkung geholt, der es geschafft hat, die Fußball-Welt für einen Augenblick in Schockstarre zu versetzen. Leider ist sein Vermächtnis aus den Gedächtnissen verschwunden. Grund genug, sich an Joe Gaetjens zu erinnern, der Mann, der die USA zum Sieg über die Pioniere des Fußballs führte.

Joe Gaetjens: England vs USA, WM 1950

Bei der WM 1950 in Brasilien waren sie der absolute Außenseiter. Niemand gab den USA eine Chance, erst recht nicht gegen England, das Mutterland des Fußballs. Wie auch sollte die US-amerikanische Elf, die kurz vor dem Turnier aus Postboten, Lehrern und Mühlenarbeitern zusammengesetzt wurde, mit Ausnahmespielern wie Stanley Matthews konkurrieren. Die Engländer starten erwartungsgemäß – wie auch bei dieser WM, in der England mit einem Auftaktsieg die Wettquoten WM 2018 bestätigen konnte – mit einem 2:0 gegen Chile in das Turnier. Die USA hingegen hatten ihre letzten acht Länderspiele verloren und im Vorfeld nur ein einziges Mal zusammen trainiert. Trainer Bill Jeffrey bezeichnete seine Spieler vor dem Gruppenspiel gegen England als „Schafe, die zum Schlachten bereit sind“.

Vom Anpfiff an im Stadion von Belo Horizonte, waren die Amerikaner gegen die Briten unter Druck und schnell kam es zur ersten Chance für die Engländer, die allerdings am Pfosten scheiterten. Aber als die Enttäuschung der Three Lions mit zunehmender Spieldauer über den nicht fallenden Führungstreffer wuchs, wuchs auch das Selbstvertrauen der Amerikaner. In der 38. Spielminute bekam US-Mittelfeldspieler Walter Bahr nach einem Einwurf den Ball und zog aus gut 25 Metern ab. Englands Schlussmann Bert Williams schaffte es, den Ball abzuwehren, allerdings in Richtung Joe Gaetjens. Der haitianische Einwanderer, Student und Teilzeitspieler ließ sich die Chance nicht nehmen und netzte zum Führungstreffer für die USA ein. Als sich die Nachricht von der Führung für die Amerikanische Mannschaft herumsprach, strömten tausende Brasilianer ins Stadion, um den Underdog anzufeuern. England konnte nicht zurückschlagen und es blieb beim 1:0. Das Spiel ging als Miracle Match in die Geschichtsbücher ein.

In den USA nahm so gut wie Niemand Kenntnis von dem Überraschungserfolg und Gaetjens kehrte in seine Heimat Haiti zurück, nachdem sein Team ausgeschieden war. Er erhielt keinerlei Auszeichnungen, Ehrungen oder Ähnliches, und die US-Regierung weigerte sich, zu intervenieren, als er dreizehn Jahre später auf tragische Weise in Haiti von der Miliz des Diktators François „Papa Doc“ Duvalier inhaftiert und getötet wurde. „Er dachte, sein Tor würde ihn schützen“, sagte seine Nichte Mary Gaetjens 2010 in einem Gespräch mit dem britischen Blatt The Guardian. „Er war ein Nationalheld“. Die US-Federation stimmte schließlich zu und führte ihn 1976 in die National Soccer Hall of Fame ein.

Tim Senger

Tim ist Leiter und Chefredakteur von E4SY. 2013 ist er das erste Mal jour­na­lis­tisch für ein Spielemagazin aktiv geworden. Momentan absolviert er zudem ein duales Studium im Bereich Wirtschaft.

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