Game of Thrones: Was taugt die finale Staffel?  

Game of Thrones Was taugt die finale Staffel

Mit diesem Montag hat die Hype-Serie „Game of Thrones“ nach acht Staffeln und 73 Episoden ihr Ende gefunden. Doch warum sind so viele Fans enttäuscht und fordern gar ein neues Drehbuch? Wir haben die letzte Staffel gesehen und verraten, was wir davon halten.

ACHTUNG: SPOILERALARM!

In den sieben bisherigen Staffeln haben die Fans der Serie recht hohe Ansprüche an die Serien-Saga entwickelt – jedoch nicht zu Unrecht. Denn der Serien-Epos glänzte mit allem, was eine qualitativ hochwertige Serie ausmachen muss: Allein die Handlung an sich war schon so ausgereift, dass es nie an Logik, Spannung oder gut geplanter Entwicklung mangelte. Was den Plot bisher ausmachte, waren spannende Schlachten, hinterlistige Intrigen, messerscharfe Dialoge, glaubhafte Charaktere und das alles gespickt mit einem guten Hauch Fantasy-Touch. Schließlich war auch die Romanvorlage „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R.R. Martin ein Bestseller geworden. Zudem war die Serie aber auch in ihrer Machart eine Glanzleistung: aufwendige Kulissen, malerische Drehorte, tolle CGI-Effekte und nicht zuletzt ein atemberaubender Soundtrack.

game of thrones staffel 8 aryaZeitplanung: Katastrophal

Doch in der letzten Staffel schien es, als ob es an nahezu allem mangelte, was die Serie ausgemacht hatte. Zunächst zur Zeiteinteilung der Staffel. Die Episoden der Staffel waren zwar teils mit anderthalb Stunden in Überlänge – doch auch nur sechs an ihrer Zahl. Die Drehbuchautoren David Benioff und D.B. Weiss hatten also nicht allzu viel Serienzeit zum verplanen.

Gerade in Anbetracht dieser Tatsache erscheint es vollkommen sinnlos, warum in die ersten beiden Folgen nahezu keine Handlung verpackt wurde. Denn diese beiden Folgen beschäftigten sich quasi ausschließlich mit Vorbereitungshandlungen oder meist Dialogen für die dritte Folge: Den Kampf gegen die Untoten. Ein Stühlerücken eben.

Ähnlich lief es in der vierten Folge ab – sprich nach dem Sieg über den Nachtkönig, die sich gefühlt zu 70 Prozent mit der Beerdigung der Toten und dem Kräftesammeln beschäftigte. Lediglich gegen Ende kam es mit dem Tod des zweiten Drachens und der Ermordung Missandeis durch Cersei zu interessanteren Entwicklungen.

Dennoch hätte den größtenteils schon zu Beginn der Staffel feststehenden Entwicklungen nicht so viel Zeit eingeräumt werden müssen. Damit musste der relevante Teil der Staffel in dreieinhalb Episoden gepresst werden: Die Schlacht mit dem Nachtkönig, der Sturm auf Königsmund und die Frage nach dem Eisernen Thron beziehungsweise dem neuen König.

Unser Fazit: Katastrophale Zeitplanung.

Schwache Handlung mit vielen Fehlern

Die Handlung litt erwartungsgemäß schon unter der Zeitplanung. So kritisierten beispielsweise Fans, dass manche Charaktere in der Vergangenheit (zum Beispiel Catelyn Stark oder Jaime Lannister) durch die sieben Königslande irrten, während nun ganze Armeen von Daenerys und Jon Snow innerhalb einer Episode von Norden nach Süden zogen – das heißt von Drachstein nach Winterfell oder von dort aus nach Königsmund. Dass dies aber nicht zwei Staffeln dauern durfte, muss aber klar sein.

Unverständlich noch viel unlogischer erscheinen oftmals die Handlungen der Charaktere selbst. So ist zum Beispiel unerklärlich, warum Daenerys zu Beginn der Schlacht gegen die Untoten erstmal ihre gesamte Dothraki-Reiterhorde in den sicheren Tod schickte. Dies hätte sowohl für sie, als auch für Jon Snow – beide sind erfahrene Kriegsherren – erkennbar sein müssen. Zudem ergibt es schlachtentaktisch keinen Sinn, dass die Drachen während der Schlacht – wenn überhaupt – nur partiell zum Einsatz kamen, wo doch ihr Feuer so verheerend ist. Solche Logikfehler sind der Serie bisher noch nie unterlaufen.

Besonders schlimm wird es dann aber, als klar wird, dass nach der Kräfte zehrenden Schlacht noch die Hälfte des Heeres gesund und munter ist. Auch die Dothraki – sie wurden vom Nachtkönig vollständig ausgelöscht – kamen beim Sturm auf Königsmund wieder zum Einsatz. Mal ganz abgesehen von dem totgeglaubten Reitervolk muss man lediglich das Ende der dritten Folge rekapitulieren. Dort ist Winterfell nahezu niedergebrannt und nach dem Tod des Nachtkönigs befreien sich nur noch ein paar wenige Überlebende aus Trümmern oder Leichenbergen. In der Folge darauf scheint das Heer jedoch nur schwach dezimiert, gerade dann, wenn man noch an das Großaufgebot der Unbefleckten in der letzten Folge denkt. Es scheint gar, als hätte Daenerys die Fähigkeit des Nachtkönigs geerbt, Tote wiederzubeleben.

All diese Fragen hätte man natürlich mit logischen Gründen erklären können – aber das bleibt leider aus. Andere Entwicklungen – beispielsweise die Pläne und Intrigen Cerseis – bleiben in der Staffel fast vollständig unbeleuchtet. Zwar beauftragt sie Bronn, ihre Brüder Tyrion und Jaime zu ermorden (was jedoch schon im Ursprung scheitert). Auch gelingt es ihr durch Euron den zweiten Drachen vom Himmel zu holen. Aber abgesehen davon brennt Daenerys nach der Zerstörung der Skorpione Königsmund vollständig nieder, ohne dass Cersei auch nur einen Trumpf in der Hinterhand besitzt… An der Stelle fragt sich so manch ein Zuschauer: Ist das die Cersei, die sieben Staffeln lang hinterlistig Intrigen gesponnen hat, die eine angreifende Flotte mit Seefeuer verbrannt hat, die nach und nach im Spiel der Macht einen Feind nach dem anderen ins Aus katapultierte, die zum Ende der sechsten Staffel die Septe von Baelor in die Luft sprengte? Die Cersei würde nämlich nicht Königsmund beim Brennen zusehen… Oder doch?

got 8 branBran auf dem Thron – unerwartet, wenn auch unbefriedigend

Gegen Ende der Staffel kommt es dann so, wie es kommen musste: Daenerys entwickelt ein verstörendes Sendungsbewusstsein und geht damit den Weg des Irren Königs Aerys, der ebenfalls alles verbrennen ließ. Jon muss dem Wohl oder Übel ein Ende setzen, was mit dem Tod der einst so stolzen Mutter der Drachen endet. Und Bran landet auf dem Thron? Das ist die wahrscheinlich unvorhersehbarste, wenn auch für die meisten Fans unbefriedigendste Entwicklung der Staffel. Immerhin geht damit die Serie mit einem finalen Plot-Twist zu Ende.

Petition für ein neues Drehbuch: Waren die Erwartungen einfach zu hoch?

CGI, Kulissen und Machart waren größtenteils sehr gut. Lediglich die Tatsache, dass das Bild in der Schlacht gegen die Untoten so dunkel blieb, war ein Manko der Kamera. Hier hätte man die Szenen besser ausleuchten müssen. Dies machte sich teils darin bemerkbar, dass in manchen Einstellungen das Bild selbst bei höchster Helligkeit nahezu schwarz blieb.

Peinliche Fehler waren auch der Star-Bucks-Becher, der in Folge vier vor Daenerys auf dem Tisch stand, oder die Plastikflasche, die in der letzten Folge hinter Samwell Tarlys Bein hervorlugte.

Einzig der Soundtrack glänzte wie eh und je. Ramin Djawadi – der Starkomponist, welcher durch Game of Thrones internationale Bekanntheit erlangte – schuf mit dem Stück „The Night King“ einen wahrlich legendären Soundtrack, der sogar an sein Highlight aus der sechsten Staffel „Light of the Seven“ herankommt.

Trotzdem waren viele Fans von der letzten Staffel so enttäuscht, dass sie in einer Petition fordern, die Staffel mit neuen Drehbuchautoren neu zu drehen. Mittlerweile haben schon mehr als eine Million Menschen die Petition erreicht. Darin heißt es:

“David Benioff und D.B. Weiss haben sich als sehr inkompetente Autoren herausgestellt, sobald sie keine Bücher mehr als Vorlage haben. Diese Serie verdient ein Ende, das Sinn macht.”

Die Kritik bezieht sich darauf, dass die Serie schon mit Beginn der sechsten Staffel die Romanvorlage überholt hat und daher nur noch auf den Drehbüchern basiert. Dies mag sicherlich eine der Ursachen der schwachen Handlung sein. Zwar wird die Petition sicherlich keinen Erfolg haben. Die Kritik an der schwachen letzten Staffel scheint jedoch berechtigt. George R.R. Martin hat als Reaktion darauf sogar angedeutet, dass die letzten beiden Bücher von der Serie abweichen könnten. Mal schauen, ob Bran dann immer noch auf dem Thron sitzt…?

Julian Dennig

Julian ist 19 Jahre und stv. Chefredakteur und Korrektor bei E4SY. In Heidelberg studiert er im zweiten Semester Jura. Er bertreut die Ressorts Politik und Wirtschaft.

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1 Antwort

  1. Paul D. sagt:

    Cooler Artikel! Seh ich genauso. Da war so viel so unlogisch. Nicht mit den ersten sechs Staffeln zu vergleichen… 🙁

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