Klimawandel: Eisschwund an den Polkappen

Klimawandel Eisbären sterben Polkappen schmelzen

Wir brauchen einen verdammt guten Plan. Am Nordpol war es kürzlich wärmer als in Berlin. Im November lagen die Temperaturen etwa 20 Grad Celsius über den erwarteten Werten!

Normalerweise sind die Küsten der Antarktis auch im Südsommer von einem breiten Gürtel aus Meereis umgeben. Warmwasserströmungen könnten das Eis jedoch immer schneller schmelzen lassen.

Bildquelle: NSIDC (National Snow and Ice Data Center)

Im Ozean rund um den antarktischen Kontinent hat es noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1979 so wenig Meereis gegeben wie aktuell. Forscher befürchten, dass der Klimawandel nun auch die Südpolarregion erreicht hat und vermuten in warmen Meeresströmungen einen der möglichen Gründe. Verteilung des Meereises um die Antarktis Anfang Februar 2017 und dessen mittlere Ausdehnung von 1981 bis 2010 zur gleichen Zeit (orangene Linien).

„Die Fotografin Kerstin Langenberger ist auf Fotoreise durch die Arktis. Dabei fällt ihr auf, dass viele Eisbären ausgemergelt und hungrig umherziehen. Eines ihrer Bilder geht um die Welt.“ – Quelle: Die Welt/Now This

Mit der abnehmender Eisoberfläche verkleinert sich leider auch der Jagdraum der Eisbären. Wissenschaftler finden immer mehr abgemagerte und verhungerte Eisbären.

Jede Aktion könnte helfen!

Wenn es nach Steven Desch, Physiker an der Arizona State University, und seinen Kollegen geht, dann sollte die Weltgemeinschaft schon mal anfangen, ein paar Millionen Tonnen Stahl auf Halde zu produzieren. Mit denen ließen sich nämlich Millionen von windbetriebenen Pumpen produzieren, die eine Aufgabe haben: Meereswasser auf die Oberfläche der Arktis zu sprühen. So soll die Eisdecke nach und nach wieder dicker werden.

Achtung, jetzt kommt etwas Zahlenzirkus. Für eine Schicht von einem Meter sind nach den Forschern Wassermengen mit 1,3 Meter Pegelhöhe nötig. Der Nordpol hat eine Fläche von 107 Quadratmetern. Um zehn Prozent davon mit Pumpen abzudecken, wären wie viele nötig? 10 Millionen, so rechnet das Team.

Für eine solche Menge an Pumpen bräuchte es nach den Schätzungen 100 Millionen Tonnen Stahl – oder 10 Millionen Tonnen pro Jahr, wenn man sie über zehn Jahre aufbaute. Laut der World Steel Association hat die gesamte Welt im vergangenen Jahr 1629 Millionen Tonnen Stahl produziert. Hochgerechnet müssten wir also 0,6 Prozent unserer jährlichen Stahlproduktion für die Erhaltung des Arktiseis’ aufwenden, wenn wir heute starten und bis 2027 ein Zehntel der Arktis eindecken wollten.

Das sind gewaltige Zahlen. Die Wichtigste haben wir uns für den Schluss aufgespart: Desch und seine Kollegen schätzen die Gesamtkosten für das Projekt auf 500 Milliarden Dollar (473 Mrd. Euro); also 5 Billionen Dollar (4,73 Brd. Euro) für die komplette Arktis. Selbst über ein Jahrzehnt verteilt, ist das stattlich. Zum Vergleich: Das Welt-Bruttoinlandsprodukt lag 2016 bei 74 Billionen Dollar.

Gegen diese Kosten muss man freilich die kaum absehbaren Kosten eines unverändert voranschreitenden Klimawandels rechnen.

Angenommen nun, der Plan der Forscher wäre tatsächlich technisch umsetzbar und hätte den gewünschten Effekt – ihn zu realisieren dürfte – gerade in dem aktuellen politischen, nun ja, Klima – unmöglich sein. Dem historischen Klimaabkommen von Paris vor zwei Jahren ging ein zähes, jahrelanges Ringen voraus.

Umso wichtiger, dass die Wissenschaft an innovativen Lösungen für das Klimaproblem arbeitet. Ob 100 Millionen Wasserpumpen da am Ende einen Beitrag leisten werden, bleibt abzuwarten. Doch wer große Probleme angehen möchte, muss groß denken. Und gegebenenfalls viel pumpen.

Tim Senger

Tim ist Leiter und Chefredakteur von E4SY. 2013 ist er das erste Mal jour­na­lis­tisch für ein Spielemagazin aktiv geworden. Momentan absolviert er zudem ein duales Studium im Bereich Wirtschaft.

Das könnte auch interessant sein...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.