Warum die Bundestagswahl doch noch spannend bleibt…

Olaf Kosinsky, 2015-12-14 Angela Merkel CDU Parteitag by Olaf Kosinsky -12, Format von JD, CC BY-SA 3.0 DE

Beobachter sehen die Bundestagswahl als schon entschieden an: Schulz verliert – Angela Merkel bleibt im Amt. Der Wahlkampf wird ebenfalls als sehr langweilig beurteilt – obwohl er es eigentlich gar nicht sein sollte…

Im aktuellen Deutschland-Trend steht die SPD nur noch bei 21 %, die Union bei 37 %. Zwar ist das nicht der beste Wert für die Unionsparteien, doch für die SPD ist er katastrophal. 16 Prozentpunkte Abstand gegenüber Angela Merkels Union. Eine Chance auf einen Wahlsieg wird selbst Martin Schulz für höchst unwahrscheinlich halten.

Die Koalitionsfrage ist immer noch spannend

Viel spannender als die K-Frage ist doch, in welcher Koalition Angela Merkel Bundeskanzlerin bleiben wird. Rein rechnerisch betrachtet bleiben nach dem aktuellen Deutschland-Trend nur zwei Koalitionsmöglichkeiten offen – beide unter Führung der Union: Eine Fortführung der Großen Koalition wäre nach der aktuellen Umfrage die wahrscheinlichste Option. Die Bundeskanzlerin müsste auch in Hinblick auf ein zukünftiges Kabinett und die weitere Regierungspolitik nicht viel ändern. Doch nicht nur im Volk, sondern auch in den beiden Regierungsfraktionen von CDU/CSU und SPD ist die Fortführung der GROKO unbeliebt. So sprechen sich 47 % der Bürger gegen eine Fortführung der Koalition aus. Mit 49 % ist die zweit-beliebteste Koalition Schwarz-Grün, danach folgen mit 47 % bzw. 40 % Beliebtheit eine Schwarz-Gelbe und eine Jamaika-Koalition. Rechnerisch ist jedoch von diesen drei Alternativen nur noch die Jamaika-Koalition möglich. In Schleswig-Holstein war die Bildung einer solchen Koalition zwar erfolgreich, doch auf Bundesebene würde es dabei mehr Schwierigkeiten geben. Zum einen lehnen die Parteilinken innerhalb der Grünen eine solche Koalition strikt ab. Zum anderen gibt es durchaus auch Skepsis gegenüber dieser Option von Seiten der Union und FDP.

In dieser Hinsicht bleibt es also noch spannend. Doch auch Schwarz-Grün oder Schwarz-Gelb sind nicht auszuschließen – schließlich gab es schon Mehrheiten dafür in vergangenen Umfragen. Und es ist durchaus noch möglich, dass Union, FDP oder Grüne vor der Wahl noch zulegen, was diese Bündnisse dann wieder ins Gespräch bringen würde.

Noch spannender: Die Kabinettsbildung und deren Minister

Egal welche Koalition es am Ende sein wird, das Geschachere um die Ministerposten ist schon jetzt in den Parteien entbrannt. Oder um die personal-politischen Folgen eines eventuellen Wahldebakels:

So streiten sich in der Union die CDU und CSU um den Posten des Innenministers. Während die CSU diesen mit ihrem Co-Spitzenkandidaten Joachim Herrmann, bisher erfolgreicher bayrischer Innenminister, besetzen will, möchte es die CDU bei Thomas de Maizière belassen.

Sollte die Union bei der Ministervergabe noch an einen möglichen Merkel-Nachfolger denken, könnte ein solcher für den Posten des Außenministers in Frage kommen – schließlich hat der Außenminister traditionell hohe Beliebtheitswerte. Spahn, Von der Leyen, Klöckner und De Maizière stehen jedenfalls Schlange.

In der SPD kann man schon erkennen, dass auch dort der politische Streit um die Postenverteilung nach der Wahl entbrennt. Schulz möchte auch nach einer Niederlage Parteichef bleiben. Zudem würde er wahrscheinlich auch den Posten des Oppositionsführers – sollte die SPD in die Opposition gehen – beanspruchen. Sollte die SPD jedoch in weiter in der Regierung bleiben – so munkelt man – würde Schulz gerne Außenminister werden. Doch all diese Posten haben auch andere Bewerber. Sicher würde Sigmar Gabriel gerne weiterhin Außenminister bleiben, macht er doch zum ersten Mal eine gute Figur. Zudem gilt Andrea Nahles, jetzige Arbeitsministerin, als Nachwuchs der Partei. Jedem der drei wird nachgesagt, Ambitionen beim Kampf um den Posten des Parteichefs auf dem herbstlichen SPD-Parteitag zu haben. Mal sehen, was draus wird.

Sollten FDP und Grüne als Koalitionspartner ins Spiel kommen, müsste man die Ministerien sowieso komplett neu verteilen. Was dann wird, lässt sich schwer beurteilen.

Summa summarum gibt es also genügend Gründe, warum die Bundestagswahl noch spannend bleibt. So vieles ist unentschieden… Die Wahl wird’s entscheiden!

Julian D.

Julian ist 17 Jahre alt und Redakteur bei E4SY. Seine Ressorts sind Politik, Wirtschaft, Filme und Serien.

Das könnte auch interessant sein...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.