Kaschmir am Rande eines Atomkrieges zwischen Pakistan und Indien

Die Atommächte Indien und Pakistan werfen sich gegenseitg Verstöße gegen die Waffenruhe in Kaschmir vor. Ein fast vergessener Konflikt droht zu eskalieren.

Kaschmir ist vor allem bekannt für seine bezaubernde Landschaft und kostbare Kaschmirwolle, doch die Region in Südasien ist auch einer der gefährlichsten Konfliktherde der Welt. Sowohl Indien als auch Pakistan erheben Anspruch auf Teile Kaschmirs. Eine Eskalation dieser Auseinadersetzung könnte schwerwiegende Konsequenzen haben, schließlich verfügen beide Staaten über ein Arsenal an Atomwaffen und sind gewillt dieses einzusetzen. Doch ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass die Wurzeln dieses Konflikts bis ins letzte Jahrhundert zurückreichen.

Konfliktreiche Vergangenheit

Der Konflikt um die Kaschmir-Region ist bereits auf das Jahr 1947 zurückzuführen, als das Britische Kolonialreich in das muslimische Pakistan und das hinduistisiche Indien aufgespalten wurde. In der Kaschmir-Region gestaltete sich dies jedoch nicht so einfach, da die Bevölkerung sehr gemischt war und der dortige Fürstenstaat aufgrund dessen seine Unabhängigkeit wahren wollte. Als pakistanische Truppen die Region besetzen wollen, schreitet Indien ein und kann so die pakistanischen Invasoren in die Flucht schlagen. Im Gegenzug unterwirft sich die Kaschmir-Region Indien, ihnen wird jedoch ein hohes Maß an Autonomie gewährt. Den Vorschlag kaschmirischer Nationalisten, einen unabhängigen Staat zu gründen, lehnen sowohl Indien als auch Pakistan ab.

Während sich Pakistan dem Westen annäherte, stand Indien eher der Sowjetunion nahe. Im „Zweiten Indisch-Pakistanischen Krieg“ konnte Indien trotz der Schwächung durch die Niederlage im Krieg gegen China und der daraus resultierenden Abtretung von Gebieten an die Volksrepublik, sowie der US-amerikanischen Unterstützung Pakistans in Form von Waffenlieferungen seine Gebiete halten. Doch auch die anschließende Festlegung einer Waffenstillstandslinie konnte weitere Kämpfe zwischen den beiden Ländern nicht verhindern. 1990 führt das aufkommende Auftreten von muslimischen Pogromen zu einer Flucht der Hindus aus dem Kaschmir-Tal. 1999 kann Indien im Kargil-Krieg zwar den „Vierten Indisch-Pakistansichen Krieg“ für sich entscheiden, von einer Lösung der Kaschmirfrage ist man jedoch noch immer weit entfernt. Selbstmordanschläge islamistischer Extremisten und die die Androhung Pakistans auf kleinere Scharmützel mit einem atomaren Erstschlag zu reagieren, verschärfen die Lage bis zum Beginn einer Annäherungsphase im Jahre 2004. Diese Entspannung wird jedoch durch Anschläge in der Kaschmir-Region und regelmäßige Gefechte immer wieder unterbrochen.

Seit der Absetzung der Fürsten befinden sich das teilautonome „Azad Kashmir“ sowie die Nordgebiete Kaschmirs unter der Kontrolle Pakistans. Den indischen Teil Kaschmirs bildet seit 1957 der Bundesstaat Jammu und Kashmir. Das Shaksam-Tal und die Region Aksai Chin stehen unter chinesischer Kontrolle.

Quelle: Wikimedia

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Furfur, Kaschmir umstrittene Gebiete, Bildauschnitt und Details wurden vom Orginal abgeändert, CC BY-SA 4.0

Waffenstillstand gefährdet

Nach einer längeren Ruhephase verschärfte sich der Konflikt vor zwei Wochen wieder als Folge eines Rebellen-Angriffs auf eine indische Militärbasis, bei dem 17 indische Soldaten getötet wurden. Indien bezichtigt sein Nachbarland der Unterstützung dieser Terroristen. In der letzten Woche holte Indien dann zu einem Vergeltungsschlag aus und ließ indische Einheiten zum ersten Mal seit 45 Jahren wieder auf pakistanischem Boden operieren. Erneute Feuergefechte entlang der Waffenstillstandslinie fordereten auf pakistanischer Seite 2 Tote. Pakistan und Indien machen sich gegenseitig für die aktuelle Eskalation der Lage verantwortlich.

Kaschmir steht auf Messers Schneide

Die aktuellen Ereignisse in der Region bedrohen den seit 2003 mehr oder weniger herrschenden Waffenstillstand. Dafür ist einerseits Pakistan durch seine mangelnde Kontrolle der in die Region einsickernden Terroristen verantwortlich, aber auch Indien trägt durch seine autokratische Vorgehensweise in der Region seinen Teil dazu bei. Der Vorsitzende der Vereinten Nationen Ban-Ki-Moon hat sich als Vermittler in diesem komplexen Konflikt angeboten. Möglicherweise kann man die beiden Hitzköpfe nur durch Fremdeinwirken zur Vernunft bringen. Kaschmir bleibt ein Pulverfass, das jederzeit zu explodieren droht, doch wenn Atommächte zündeln kann dies den gesamten Weltfrieden bedrohen.

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Andreas Dost

Andreas ist Redakteur und Korrektor bei E4SY. Er ist derzeit 17 Jahre alt und Schüler. Seine Hobbys sind Mountainbiking, Bergsport, Gaming und Fremdsprachen.

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