Ergebnis der Bundestagswahl 2017 – Desaster für Union und SPD

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 Deutschland hat gewählt – das Ergebnis der Bundestagswahl sind Rekordverluste für die Volksparteien SPD sowie CDU/CSU. Davon profitieren eindeutig AfD und FDP. Nun steht vermutlich auch eine Jamaika-Koalition an.

Der Ausgang der Wahl steht so gut wie fest – die amtlichen Endergebnisse werden wohl keine signifikanten Abweichungen gegenüber den Hochrechnungen mehr haben: Gegenüber 2013 verliert die Union 8,5 % und kommt auf 33,0 %, die SPD mit 5,2 % Verlust auf 20,5 %.

Die kleineren Parteien können allesamt zulegen – FDP und AfD sind dadurch (wieder) im Bundestag vertreten. Dabei gewinnt die AfD das Rennen um den dritten Platz und kommt mit einem Plus von 7,9 % auf 12,6 %, die FDP mit einem Plus von 5,9 % auf 10,7 %.

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Grüne und Linke können sich leicht verbessern, beide Parteien legen um ca. 0,5 Prozentpunkte zu. Damit kommen die Grünen auf 8,9 %, die Linke auf 9,2 %. Sonstige Parteien kommen mit einem Minus von 1,4 % auf insgesamt 4,9 %. (Stand: Vorläufiges Amtliches Endergebnis)

Massive Wählerwanderung – vor allem zu AfD und FDP

Die zwei – momentan nicht im Bundestag vertretenen – Parteien, AfD und FDP gehen als die klaren Sieger dieser Wahl hervor. Beide erzielen aus dem Stehgreif sehr gute Ergebnisse. Sowohl Lindner als auch die Doppelspitze Weidel-Gauland können den (Wieder-)Einzug in den Bundestag feiern.

In den Grafiken der Wählerwanderungen kann man eine massive Wählerwanderung von der Union zu allen Parteien erkennen. Dabei stechen jedoch FDP und AfD mit ca. 1,07 Mio. bzw. 1,33 Mio. Wählern besonders hervor. Auch an die SPD verliert sie ca. 20 000 Wähler, wovon diese allerdings nicht profitieren kann: Denn die SPD verliert gleichmäßig an alle anderen Parteien mit Werten zwischen 380 000 und 500 000 Wählern. Auch hierbei stechen Gelb und Hellblau hervor.

Auf der Seite der Tagesschau-Online lassen sich die Wählerwanderungen anhand einer interaktiven Grafik auch nochmal durchspielen.

Krise der Volksparteien

Es ist ein schwerer Schlag für Union und SPD – beide fahren Rekordverluste gegenüber den vergangenen Wahlen ein. Die SPD erfährt dabei sogar ihr niedrigstes Ergebnis seit den ersten Wahlen in der BRD.

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Ist das Ergebnis für die Union schon miserabel, ist es für die SPD trotz des geringeren Wählerverlusts desaströs. Geht man von der gängigen (absoluten) Definition von Volksparteien aus, wonach diese mindestens 25 % erreichen, kann man die SPD nun nicht mehr als eine solche bezeichnen. Auch die Union kann sich mit ihrem Ergebnis nicht gerade rühmen – stürzt sie doch bspw. in Bayern um fast 10 % ab. Dies bedeutet also nicht nur eine personalpolitische Debatte bei der SPD, sondern auch bei der CSU und evtl. CDU.

Die Flüchtlingspolitik ist nicht verziehen

Das Votum der Wähler ist vor allem eine Absage an die Große Koalition aus Protest gegenüber deren Flüchtlingspolitik. So wechselten ca. 67 % von Union, weil sie fanden, dass CDU/CSU die Sorgen der Menschen dabei zu wenig berücksichtigte. Auch war durch die Parteien hinweg ein Großteil der Wähler nicht mit der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel zufrieden.

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So wurde die AfD in Sachsen mit 29,4 % vor der CDU mit 28,5 % stärkste Kraft. Zudem eroberte Frauke Petry, Bundes- und Landesvorsitzende der AfD, im Wahlkreis „Sächsische Schweiz-Osterzgebirge“ das Direktmandat mit 37,4 %.

Auch die SPD lag in vielen Ländern oder Regionen sogar hinter der AfD, bspw. in Südbayern. Bei ihr erfolgte die Wahlentscheidung vor allem aber aus fehlender Überzeugung und besseren Angebots durch die anderen Parteien.

Interessant ist für die Union jedoch eines: Der Abwärtstrend in den Umfragen setzte erst im letzten Monat ein – lag die Union vorher doch bei 40 %. Auch in den Umfragen der letzten Woche setzte sich dieser Trend mit 34 % (INSA) noch einmal fort. Schuld daran sind die mediale Wiederbelebung der Flüchtlingskrise sowie der massive und fehlgeschlagene Beschuss der AfD.

Koalitionsfrage: Merkel muss nach Jamaika

Die Kanzlerfrage ist eindeutig: Trotz schwerer Verluste wird Merkel Kanzlerin bleiben. Unklar ist jedoch, mit welcher Koalition. Rein rechnerisch sind momentan nur eine Fortführung der Großen Koalition oder eine Jamaika-Koalition, bestehend aus CDU/CSU, FDP und Grünen, möglich.

Nach dem Ausschluss einer weiteren GroKo durch Martin Schulz bliebe eigentlich nur noch eine Jamaika-Koalition übrig. Die Differenzen zwischen Schwarz-Gelb und Grün wiegen zwar schwer, müssen angesichts der Lage allerdings überwunden werden. Und gerade FDP und Grüne werden sich diese Differenzen in den Koalitionsverhandlungen teuer ausbezahlen lassen – in Ministerien und Durchsetzung von Wahlkampfversprechen.

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Würden die Verhandlungen allerdings scheitern, käme trotz des Ausschlusses seitens der SPD wieder eine Fortführung der Großen Koalition in Frage. Schließlich würde keine Partei von Neuwahlen profitieren. Außer vielleicht die AfD. Und das will keiner.

Julian D.

Julian ist 17 Jahre alt und Redakteur bei E4SY. Seine Ressorts sind hauptsächlich Politik und Wirtschaft.

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