Muse Konzert Bewertung 06.06.2016 in Hamburg

Die englische Alternative-Rockband Muse hat während ihrer “Drones”-Tour auch in Hamburg Halt gemacht. Ob das Konzert ein Erfolg war und ob es sich lohnt, zu einem weiteren Konzert des Trios zu gehen, erfahrt ihr in diesem Artikel.

“Your ass belongs to me now!” (Psycho)

Hamburg 6.6.2016 – 18 Uhr: Auf Wunsch meines Begleiters Stefan, mit dem ich diesen Artikel zusammen schreibe, sind wir drei Stunden zu früh Muse Konzert Hamburgin der Barclaycard Arena. Vorteil hiervon ist, dass mein Mitredakteur perfekte Plätze in der erste Reihe bekommt und so an der Band ganz nah dran sein kann. Nachteil ist, dass ich micheinerseits zu Tode auf meinem Sitzplatz (!) langweile und andererseits eine Familienpackung Nachos in dieser Zeit vernichte. Doch rückblickend war sowohl die Tatsache, dass wir viel zu früh da waren, als auch dass wir getrennte Plätze hatten, sehr gut. Die verbleibenden zwei Stunden, bevor die Vorband beginnt zu spielen, vertreibe ich mir mit späteren Konzertplanungen, Konversationen mit eingefleischten Muse-Fans und eben den besagten Nachos. Die getrennten Plätze waren nicht nur gut, weil wir beiden völlig unterschiedliche Eindrücke während des Konzertes sammeln konnten, sondern auch weil ich ideal Fotos und Videos aufnehmen konnte.

“KILLED BY DRONES!!” (Reapers)

20 Uhr: Pünktlich um acht Uhr geht das erste Mal in der Arena das Licht aus. Neue Fans kreischen in der Erwartung auf, Muse zu sehen. Doch die Fans, die schon länger dabei sind wissen: Jetzt kommt erstmal die Vorband. Ein Mann mit einem etwas längerem Bart und Cap betritt die Bühne. Auch wenn die Musik nicht schlecht ist und mir persönlich sehr gut gefällt, merkt man, dass dies weniger der Musikgeschmack der Fans ist. Jack Garatt (so der Name der “one-men”-Vorband) macht eine Mischung aus Gute-Laune-Elektro und Dubstep. Nach fünf, sehr basslastigen Songs, von denen ich den letzten sogar kannte (“Worry”), ist für Jack Garatt aber Schluss. Er verabschiedet sich und dankt den Fans für ihren Support. Inzwischen ist die Arena komplett voll. Doch es dauert bis 21:10 bis das Konzert beginnt. Als es dann aber endlich los geht, gibt es kein Halten mehr und die knapp 10.000 Zuschauer springen auf.

Allgemeines über Muse

I don’t need another map of your head (Map of Your Head)

  • Bandmitglieder und Herkunft: Muse besteht aus Matthew Bellamy (Gesang, Gitarre, Klavier und Synthesizers), Christopher Wolstenholme (E-Bass, Gesang) und Dominic Howard (Schlagzeug und Perkussion). Bellamy wird oft auch als das musikalische Genie von Muse bezeichnet. Er ist nicht nur als Komponist, sondern vor allem für seinen großen Stimmenbereich von 3,7 Oktaven und sein geniales Klavier- und E-Gitarren Spiel berühmt.
  • Musikrichtung: Die Band verbindet stilistisch Alternative, Hard, Space und Progressive Rock sowie Electronica mit Elementen klassischer Musik und wird deswegen dem Subgenre New Prog zugeordnet. Die Band ist in Deutschland weniger, dafür in englischsprachigen Ländern wie Großbritanien oder den USA um Längen mehr bekannt.
  • Inhalte: Die Texte von Muse sind eher einfach strukturiert. Meist handeln sie von der Apokalypse, dem Hyperraum, Technik, Religion, Leben oder neuen Weltordnungen. Viele der Grundideen der Songs spielen in einer dystopischen Zukunft à la Georg Orwells Roman “1984”. In diesem niederschmetterndem Szenario kontrollieren totalitäre Regierungen jeden Teil des persönlichen und öffentlichen Verhaltens und erhalten ihre Macht mit Beobachtern und vom Staat kontrollierten Medien aufrecht.
  • Alben und Erfolge: Die britsche Rockband brachte sieben Studioalben (Showbiz, Origin of Symetry, Absolution, Black Holes and Revelations, The Resistance, the 2nd Law, Drones) und drei Live-Alben (Hypermusic, HAARP live from Wembley, Live at Rome Olympic Stadium) sowie einige B-Sides heraus.
    Nach schon einigen Erfolgen wurde ihr letztes Album Drones bei den Grammy Awards 2016 als bestes Rock Album ausgezeichnet.
  • Aktuelle Tour: Die aktuelle Tour ist die Drones World Tour. Diese ist die 10te Tour der Band und sie begann am 23.05.2015 in Norwich und endet mit dem Lowlands Festival am 19.08.2016 in Biddinghuizen in der Niederlande.
  • Songs in Videospielen und Filmen:
    • Map of the Problematique im Trailer für The Tourist
    • Supermassive Black Hole in Fifa und Twilight
    • Butterflies and Hurricanes in Need For Speed
    • Bellamy ein spielbarer Charakter in Guitar Hero 5 (Plug in Baby)
    • Unnatural Selection und Plug In Baby in Rocksmith
    • Time Is Running Out im Trailer zu Running Scared

Hoffnungen (auf Songs) vor dem Konzert

Let hope burn in your eyes (Stockholm Syndrome)
I hope won’t forget a thing (Falling Away With You)

Jonah:
1. Knights of Cydonia
2. Unnatural Selection
3. New Born
4. Animals
5. Dead Inside
6. Panic Station
7. Follow Me

Stefan:
1. Reapers
2. Interlude+Hysteria
3. Bliss
4. Citizen Erased
5. Undisclosed Desires
6. The Groove
7. Blackout

Setlist

Men in Cloaks always seem to run the show (Mercy)

1. Drones
2. Psycho
3. Reapers
4. Bliss
5. Dead Inside
6. Map Of The Problematique mit Outro
7. The 2nd Law: Isolated System (gekürzt)
8. The Handler
9. Resistance
10. Supermassive Black Hole mit Outro
11. Prelude
12. Starlight
13. Feeling Good
14. Munich Jam
15. Madness
16. [JFK] 17. Interlude
18. Hysteria mit Outro
19. Time Is Running Out
19.1 Jazzige Improvisation, weil der Bass technische Probleme hatte
20. Uprising (Extended Version)
21. The Globalist
22. Drones (Reprise)
Encore:
23. Mercy
24. Knights Of Cydonia (Man With Harmonica Intro)

Story in der Setlist? (Präsentation des Albums)

Free, Yeah I’m free from society. You cant control me! (Defector)

Das Album Drones ist ein Album, das eine Geschichte von einer Person erzählt. Diese Person verliert zunächst seine Hoffnung (Dead Inside) und begibt sich zur Armee (Psycho), wo er dann in den Krieg geschickt wird (Reapers), merkt dass etwas nicht stimmt (Mercy), sich von seinen Befehlshabern losreißt (The Handler) und abtrünnig wird (Defector) und sich gegen die Regierung stellt (Revolt). Am Ende findet der Protagonist eine neue große Liebe in seinem Leben (Aftermath). Der größte Song The Globalist handelt von derselben Story, nur mit einem schlechten Ende, denn die Hauptperson findet keinen Ausweg aus der Einsamkeit, wird zum Diktator und zerstört die Welt.
Bei der Drones-Tour könnte man also auch erwarten, dass sie eine Art Story in ihre Setlist aufbauen. Ich habe mir vorher einige Konzerte (vor Beginn der Tour) angeschaut und dort gab es tatsächlich immer ein Schema, das sie verfolgt haben. So lief zum Beispiel Reapers, der Song der den Krieg und die Emotionslosigkeit repräsentiert, nach Time Is Running Out, in dem es um die Emotionen in den letzten Momenten einer Person geht.

Aber ist nun eine Story, eine Show oder zumindest ein Schema vorhanden?
Zunächst ist zu erkennen, dass Drones sowohl den Anfang, als auch den Abschluss gemacht hat. Allerdings lässt sich keine bestimmte Story erkennen. Man könnte mit etwas Fantasie und Interpretation erkennen, dass es sich um eine Person handelt, welche sich im Krieg befindet und sich nach den schönen Dingen des Lebens sehnt und nach dem Krieg eine Frau kennen lernt, die er wieder verliert und dadurch verrückt wird.

Das Konzert

You’ve arrived at panic station (Panic Station)

Atmosphäre:Muse Konzert Hamburg

Das Konzert ist ein absolutes Wechselbad der Gefühle. Während zu Beginn zum Auftakt des Konzertes Drohnen mit dem Song “Drones”
hereinschweben und dieser dann in “Psycho” übergeht ist ein absoluter Gänsehautmoment. Ebenfalls starke Gefühle, allerdings eher in nostalgische Richtung kommen auch bei Songs wie “Bliss” oder “Feeling good” auf.Doch tendenziell dominiert in der Arena eine positiv geladene, aufgeheizte Stimmung. “Supermassive Black Hole” und “Knights of Cedonia” bringen die Fans zum mitsingen (bzw. schreien) und lassen ein Zugehörigkeitsgefühl einerseits zur Band, aber andererseits auch zu den anderen Fans aufkommen. Man hat sich an diesem Abend in dieser Arena versammelt, weil alle Menschen etwas gemeinsam haben: Sie lieben das britische Trio und vor allem ihre Musik. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl wird auch durch die Band verstärkt die entweder zum Mitsingen einladen (“c´mon all together!”) oder auf ihrer 360° Bühne immer wieder sich zu allen Ecken der Arena hinbewegen.

Besonderes:

Um dem Feeling des Krieges und des Themas noch mehr beizusteuern sind vor dem Auftritt Männer/Frauen in Soldatenuniform vor den Stehplätzen umhergegangen. Zudem sind während des Konzerts immer wieder Drohnen rumgeflogen und es gab eine Leinwand, an die Bilder von Menschen/Waffen/dem Trio projiziert wurden. Besonders war eine riesige Drohne (welche in echt wohl Bomben fallen lassen würde) bei The Globalist und Puppenspielerhände bei The Handler, welche den Bassisten und Sänger kontrollierten.

Fazit

Come let the truth be shared (Sunburn)

Ich (Stefan) stand in der ersten Reihe und es war schlichtweg und einfach genial. Man hat einfach gespürt, wie die Musik durch einen durchgeflossen ist und für Stimmung und Euphorie sorgte. Es war die ganze Zeit der Wille da, laut mit zu singen und zu springen oder tanzen, allerdings hat dafür der Platz nicht gereicht. Man hatte wirklich nur seinen eigenen Fleck zum Stehen. Die absolut beste Szene war bei dem Song Mercy, wo es zum letzten Refrain Konfetti (oder Drones-Männchen wie ich sie gerne nenne) geregnet hat. Bei Knights Of Cydonia gab es zusätzlich einen Pogokreis. Die Stimmung war die ganze Zeit Bombe und die Atmosphäre, die durch die fliegenden Drohnen erzeugt wurde, gab mir wie auch alle Songs Gänsehaut. Dass Reapers gespielt wird, war mir von vornherein klar, Hysteria war auch sehr wahrscheinlich. Allerdings war ich überglücklich, als sie Bliss und Interlude auf Folge von [JFK] gespielt haben. Das war einfach nur episch.
Bei Bands stellt sich ja immer die Frage, ob sie denn auch Live so toll sind, wie auf Platte. Und bei Muse kann ich eines definitiv sagen: Sie sind sogar noch besser!

Meiner Meinung (Jonah) nach, werden die Rang-Plätze bei Konzerten zu Unrecht verunglimpft: Auch wenn ich lediglich vor dem Konzert gesessen habe und anschließend ebenfalls nur gesprungen und getanzt habe, war die Stimmung um uns herum mindestens genauso gut. Die Atmosphäre in der Arena war unbeschreiblich. So viel Herzblut und Gänsehaut habe ich bisher nirgendwo sonst auf einem Event erlebt. Mein persönlicher Lieblingsmoment war, als die ersten Takte von Knights Of Cydonia gespielt worden sind. Dies ist nicht nur einer meiner absoluten Lieblings-Songs von Muse, sondern als die gesamte Zuschauerschaft angefangen die Melodie mitzusingen, hat man sich als Teil eines großen Ganzen gefühlt. Genau wie Stefan habe ich mich extrem über Bliss und Interlude gefreut, war jedoch noch glücklicher als Muse “Nostalgie Songs” wie Madness oder Feeling Good gespielt hat. Alles in allem habe ich mein erst größeres Konzert in vollen Zügen genossen und freue mich auf eine Wiederholung!

Amen (Drones)

Über Stefan Gunawan

Stefan ist 23 Jahre alt und ein Redakteur bei E4SY: Er studiert im Moment Medizin. Seine Freizeit verbringt er gerne mit Bouldern, Klavier/Gitarre spielen und Gaming.

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