Wie innovativ ist Deutschland? Und für wie innovativ hält es sich?

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Wie innovativ ist eigentlich Deutschland? Und für wie innovativ halten die Deutschen eigentlich ihr Land? Diese Fragen möchte ich in diesem Artikel klären.

Um in das Thema einzusteigen, habe ich zuerst mal eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey mitgebracht.

„Im Ranking Global Innovation Index (GII) schaffte es Deutschland im Jahr 2016 auf Platz Zehn. Der GII misst anhand von 84 Kriterien die Innovationsfähigkeit von mehr als 100 Volkswirtschaften. Eine Studie des Weltwirtschaftsforums sieht Deutschland im europäischen Vergleich allerdings eher auf den hinteren Plätzen, wenn es um das Thema Innovation geht. Und das, obwohl die Bundesrepublik in den letzten Jahren laut Bundesministerium für Forschung und Bildung mehr Geld als jedes andere EU-Land in Forschung und Entwicklung investiert hat.“ – Civey

Daher hat Civey über 51.000 Menschen aus Deutschland gefragt:

Das Ergebnis ist recht eindeutig. Eine absolute Mehrheit der Teilnehmer hält Deutschlands Innovationsfähigkeit für groß! Leider ist dies meiner Ansicht nach eine fatale Fehleinschätzung, denn es gibt deutliche Beweise, die das Gegenteil zeigen. Das gefährliche daran? In der Vergangenheit lief es extrem gut für Deutschland: Deutschland ist Exportweltmeister und die Wirtschaft boomt. Doch jetzt könnte die Bundesrepublik zurück fallen – wenn sich nichts ändert und wir schnell in einen Teufelskreislauf abbiegen.

Es beginnt bei der deutschen Autoindustrie: Statt wie gefühlt, wird kaum in die Elektromobilität investiert. Würde in Zukunft die Autoindustrie aus Deutschland wegfallen, würden das extrem viele Arbeitsplätze samt deren Einkommen betreffen.

Deutschland bringt kaum Start-Ups hervor. Doch anstatt dass Start-Ups die deutsche Industrie mit Innovationen nach vorne bringen, verhindern bürokratische Hürden und schlechte Bedingungen für das Venture-Kapital, dass Start-Ups in Deutschland gedeihen können. Lieber gehen die innovativen Köpfe ins Ausland, zum Beispiel in die USA, wo deutlich bessere Bedingungen herrschen. Man merkt es auch, wenn man die Deutschen nach der Übersetzung von Venture-Kapital fragt. Antwort: „Risiko-Kapital“. Übersetzten könnte man es aber auch mit dem Begriff „Chancen-Kapital“. Doch wer keine Risiken eingeht, der erhält auch keine Chancen und damit keine Innovation.

Internet ist immer noch schlecht und teuer. Während die Preise für Kabelinternet, DSL, Mobile Daten und Co. im Ausland extrem niedrig sind. Während man in Deutschland für 6 GB 26 € monatlich blechen darf, bekommt man in Ländern wie Polen, Dänemark, Lettland für ca. 15,50 € monatlich unlimitierten mobilen Internetzugang! Und dieser ist auch noch schneller und flächendeckender. Sogar im Urlaub in Australien hat man mitten im Outback immer noch 4G, während man in Deutschland auf der Autobahn teilweise überhaupt keinen Empfang hat.

Auch ein Punkt, den ich sehr ärgerlich finde, ist das mobile Bezahlen. Während man in vielen anderen Ländern mittlerweile per Handy und Kreditkarte kontaktlos bezahlen kann, akzeptieren manche Händler in Deutschland teilweise nicht einmal die gängige Kreditkarte. Vor entspannten Zahlungslösungen wie N26, Cringle etc. schrecken ebenfalls viele Händler zurück, weil diese Methoden gemeinhin als unsicher beurteilt werden. Tatsächlich sind diese Optionen genauso harmlos wie normales Online-Banking!

Vieles ist starr und altmodisch. Während hierzulande jedermann bei einer Ummeldung beim Amt antanzen muss, kann man in Estland alles bequem vom Sofa aus erledigen. Sogar ein Unternehmen kann man in Estland über das Internet gründen und auch die Steuererklärung ist übers Netz in 3 Minuten erledigt.

Auch vor der Automatisierung und dem damit angeblich folgenden Verlust von Jobs sowie sinkender Löhne haben viele Angst. Doch das ist Käse, schon 1970 bestand die selbe Angst vor dem Computer, passiert ist allerdings nichts. Es sind einfach ganz neue Jobs entstanden.

In Deutschland muss sich also etwas ändern! Sowohl politisch, als auch in den Köpfen der Bürger muss ein Umdenken erfolgen – Nur dann werden wir auch in Zukunft eines der erfolgreichsten Industrieländer sein.

Tim Senger

Tim ist Leiter und Chefredakteur von E4SY. 2013 ist er das erste Mal jour­na­lis­tisch für ein Spielemagazin aktiv geworden. In seiner Freizeit geht er gerne tanzen, schwimmen und beschäftige sich mit Medien aller Art.

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